sozialneid vs. umweltschutz

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der umweltschutz ist ja mittlerweile ein omnipräsentes thema, dem niemand mehr entkommt. während sich andere themen wie sars oder die vogelgrippe mit dem abebben von krankheitsfällen auch wieder aus der öffentlichkeit entfernen, gibt es für die umwelt zu viele anstosspunkte. einer lag im gerade abgehaltenen klimaschutzgipfel in nairobi. der bekannte ökologe mojib latif vom kieler institut für meereswissenschaften hat dort ein einigermaßen erschreckendes szenario entworfen, welches neben den bekannten variablen auch eine verdopplung der niederschläge für nordeuropa prognostiziert. er machte dem publikum allerdings auch in soweit hoffnung, als das klima immer nur auf das reagieren würde, was wir langfristig tun. es gibt also noch eine chance… ein anderer anstosspunkt ist eine freiwillige selbstbeschränkung der automobilindustrie. diese hatte, um einer gesetzlichen verpflichtung zum bau des 5-liter-autos zuvorzukommen, 1998 angekündigt, den co2-ausstoss für ihre fahrzeuge innerhalb von zehn jahren auf 140g pro kilometer und fahrzeug zu begrenzen, ein vorhaben, das nicht mal in ansätzen realisiert wurde. der gesamtschnitt liegt immer noch bei 161.4g/km, hersteller wie porsche erreichen werte von 297g – obwohl sie ebenfalls dem selbstverpflichtungsabkommen beigetreten waren. aufgrund dieser ignoranz plant die eu nun eine richtlinie, um das ganze per zwang durchsetzen. der angepeilte grenzwert darin beträgt 120g/km für jedes ab 2012 zugelassene fahrzeug. die automobilindustrie läuft sturm. auf ihrer seite hat sie den deutschen eu-kommissar günther verheugen, der bereits angekündigt hat, zugunsten der deutschen industrie verbindliche richtlinien zu blockieren. auch der deutsche verband der automobilindustrie hat sich zu wort gemeldet. auf die aussage des geschäftsführers der deutschen umwelthilfe, die hauptverantwortung für das scheitern der eu-klimaschutz-politik im bereich der autoabgase liege bei der autoindustrie mit ihren „spritdurstigen klimakillern“, und weiterhin auf die forderung nach höheren steuern für firmenwagen entgegnete der verband der automobilindustrie, diese forderung diene weniger dem umweltschutz, sondern spiele auf der „klaviatur des sozialneids“. da fragt man sich doch, wie ignorant und zynisch man mit blick auf seine bilanz werden kann. zudem wird doch ernsthaft behauptet, dass man selbst als autohersteller nur den wünschen der kunden folge. diese würden schließlich nach 300ps-fahrzeugen und 2.8tonnen-jeeps (mit denen sie dann zum einkaufen fahren) verlangen. inwieweit man selbst mit seiner marketing und werbestrategie für diesen bedarf gesorgt hat, wird nicht hinterfragt. oder ob vielleicht auch eine gewisse gesamtgesellschaftliche verantwortung für nachhaltige entwicklung wahrgenommen werden könnte. links: wiglaf droste in der taz über sozialneid harald martenstein zum selben thema in der zeit

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