die chancen der anderen

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florian henckel von donnersmarck wurde für seinen film „das leben der anderen“ mit dem oscar für den besten fremdsprachigen film ausgezeichnet. doch was wurde eigentlich bewertet? gestern haben wir den film gesehen. und es hat sich wirklich gelohnt – tolle darsteller, interessante geschichte, gut erzählt und inszeniert. aber oscarverdächtig? soweit reicht es meiner meinung nach nicht. ich habe dem film nichts vorzuwerfen, ganz im gegenteil, es ist nur einfach so, dass er keinen so bleibenden eindruck hinterlassen wird, wie es andere filme getan haben, wie „blade runner“, „blow up“ oder auch „lost in translation“, um nur drei zu nennen. der film ist auf gar keinen fall schlecht, aber halt auch nicht außergewöhnlich. zumindest nicht, was das cinematografische handwerkszeug angeht. gute schauspieler, solide inszeniert. das außergewöhnlichste ist die story. daher drängt sich der verdacht auf, das der film vor allem in diesem bereich gepunktet hat. was man ihm nicht vorwerfen könnte. die frage ist also, welche kriterien die oscar-jury bei der bewertung heranzieht. der oscar für den besten fremdsprachigen film steht ja im prinzip etwas außen vor – während für alle anderen kategorien einzelpreise verliehen werden, gibt es hier nur den abstrakten gesamtoscar für einen einzelnen film. könnte man also im rückschluss davon ausgehen, dass die einzelkategorien gelten? also von bester nebendarsteller bis hin zu schnitt und kostümdesign? das ist wohl der fall. allerdings stelle ich mal die these auf, dass diese nicht gleichberechtigt nebeneinanderstehen. die tollste filmmusik kann kein schrottreifes drehbuch ausgleichen. die wichtigsten oscars sind nach allgemeiner überzeugung bester film, regie, hauptdarsteller/in, originaldrehbuch und adaptiertes drehbuch. daher werden die leistungen in diesen kategorien vermutlich für die fremdsprachigen filme eintscheidend sein. und genau hier kommt das problem ins spiel bzw. die erklärung, warum ich „das leben der anderen“ nicht mit einem oscar ausgezeichnet hätte – der bewertungsschwerpunkt auf dem drehbuch. meiner meinung nach sind es genau die anderen kategorien, welche filme prägen und einzigartig machen. eine gute story kann auch in einem buch verarbeitet werden oder in einem hörspiel. in einem film sollten genau die besonderheiten des mediums, nämlich die regie, die leistungen der schauspieler und die kameraführung, um mal die wichtigsten zu nennen, bewertet werden. ein gutes drehbuch ist natürlich die basis für alles weitere, es darf aber nicht den ausschlag geben. dieses fällt umso mehr auf, wenn es um gesellschaftspoltitisch „wertvolle“ themen geht. dabei ist die hier geschehene aufarbeitung der ostdeutschen stasi-vergangenheit nur ein beispiel. weitere finden sich in der wahl des besten fremdsprachigen films von 2002, als „no man´s land“, eine geschichte über zwei soldaten, die sich im bosnienkrieg gegenüberstehen, ausgezeichnet wurde. ich habe den film nicht gesehen, kann also nur sagen, das ebenfalls ein „wertvolles“ thema vorlag. ob der film aber gegen die mitnominierten „elling“ und „die fabelhafte welt der amelie“ in den anderen kategorien gewonnen hätte, möchte insbesondere für letztgenannten mal stark bezweifeln. auch mein lieblingsbeispiel in diesem bereich genügt der vermeintlichen inhaltlichen qualitätssicherung: „brokeback mountain“. zwei schwule cowboys in den fesseln der reaktionären gesellschaft. danke für´s klischee. plakativer kann man sich als amerikanischer film eigentlich nicht gegen intoleranz aussprechen. unabhängig davon, ob das drehbuch auf einer wahren begebenheit basiert. letztendlich scheint der oscar als jury-preis durch die vorlieben der mitglieder entschieden zu werden. das ist ok, solange man sich dessen bewusst ist. nicht umsonst haben auch schon einige preisträger die auszeichnung nicht angenommen. wie george c. scott, der 1961 den oscar für den besten nebendarsteller mit den worten, der oscar sei eine fleischbeschau und das leben kein wettkampf, ablehnte. auch ein standpunkt.

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