Sonntag, 19. April 2009
die gentrifizierung in kreuzberg schreitet voran
doch nun zu den symptomen, die die gentrifizierung in kreuzberg hervorruft: die erste meldung betraf eine große party, die im görlitzer park über das gesamte osterwochenende stattfand. bereits am ersten abend riefen anwohner die polizei, da ihnen der lärm zuviel war. bemerkenswert dabei ist, dass die party nicht mal in einem haus, sondern halt mitten im görlitzer park stattfand. scheint einigen menschen selbst am karfreitag mit mehreren freien tagen in aussicht nicht akzeptabel zu erscheinen. da kann man sich wirklich nur fragen, warum die dort hingezogen sind, mitten ins partyviertel von 36?
nachricht nummer zwei beschäftigt sich mit meinem lieblingsort in kreuzberg: der admiralbrücke. sobald die temperaturen es zulassen treffen sich hier tag und nacht junge menschen aus der ganzen welt um zu reden, zu lachen, zu trinken, zu spielen, spontane unplugged konzerte oder einfach nur die stimmung zu geniessen. das ganze läuft in einer bemerkenswert friedlichen stimmung ab, selbst die hin und wieder kreuzenden (proll-) autos scheinen niemanden weiter zu stören. gestört fühlen sich jedoch auch hier die anwohner, und zwar in erster linie von der geräuschkulisse, in zweiter vom müll und den scherben, die das allabendliche happening natürlich mit sich bringt. dementsprechend treffen sich nun anwohner mit behördenvertretern von der polizei, dem ordnungsamt und dem bezirk. manche fordern die abschaffung der autopoller, die sie wenige jahre vorher erst eingefordert hatten, damit die brücke weniger gemütlich wird. anderen reicht selbst dieser zynische ansatz nicht, sie streben gar pflanzenkübel mit stachel-flora an – hauptsache, die fröhlichen menschen von der brücke verschwinden, man selbst hat ja seinen eigenen platz einige meter höher auf dem balkon und ist auf die brücke nicht angewiesen.
auch hier kann man wohl relativ sicher davon ausgehen, dass die menschen, die diesen ort so lebenswert machen, nicht diejenigen sind, die sich nun beschweren – wer rund um die admiralbrücke wohnt, hat definitiv entweder einen uralten mietvertrag oder einiges in der portokasse, was jeden monat in die wohnung gesteckt werden kann. ankommen, sich die schönste wohnung schnappen und dann die menschen, die sich hier seit jahren wohlfühlen vergraulen – man darf gespannt auf den 1. mai sein.
nachtrag: auch das so36 ist grad objekt ähnlicher auseinandersetzungen, mehr zum thema bei blog.rebellen.info und björn böhning
landwehr-kanal zugefroren
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in den toiletten berlins, heute: hotel-bar, fuchsbau, schlawinchen
in den toiletten berlins, heute: wasserturm tempelhofer berg
pEtEr - #1 - 19.04.2009 15:26 - (Antwort)
Schön geschrieben! Nicht zu vergessen das Gerangel um das SO36!
siehe -> http://bit.ly/1a3fRG
fassungslos - #1.1 - 19.05.2010 10:37 - (Antwort)
Hab grade den ersten Artikel gelesen.
Bin etwas fassungslos. Du bist der Gentrifizierer, du bist doch gerade erst nach Kreuzberg n eine der überteuerten Wohnungen gezogen und hilfst damit den Vermietern, welche die Mieten immer höher schrauben. Es sind Leute wie du, die den Kiez zerstören.
Dann schreibst du noch was vom Görlitzer Park als Teil des "Partyviertel SO36" - so ein Schwachsinn. Es gab schon immer lautere und leisere Teile Kreuzbergs. Wir sind auch kein Partyviertel - zu dem macht ihr Gentrifizierer uns. Wegen euch machen überall alte Läden zu und hippe Cafés und Bars etc. entstehen.
Es ist eben dieses Bild von der Partyzone, welches den Kiez zerstört. Unendlich viele Süddeutsche auf der Suche nach dem Leben wollen in SO36 eine Wohnung um jeden Preis. Liebe Zuziehenden ihr bringt die Veränderung, jede Wohnung in die ihr für viel Geld einzieht, hat mal einen "echten" Kreuzberger beherbergt. Dieser musste gehen, damit ihr eure Partyzone haben könnt.
Dieser kleine Blogeintrag verhöhnt alles was Xberg mal war und ist.
pusche - #1.1.1 - 04.07.2010 13:17 - (Antwort)
ich bin der gentrifizierer? weil ich in der schleiermacherstraße wohne? oder gibts NOCH handfestere gründe?
pusche - #2 - 19.04.2009 15:42 - (Antwort)
Stimmt, passt auch voll in die Thematik, hatte ich gar nicht mehr präsent. Danke für den Tipp, hab den Link mal nachgetragen ![]()
vorbeisurfer - #3 - 22.09.2009 23:55 - (Antwort)
Am Freitag mit dem Flieger/Bus/ICE in B ankommen, dann 3 Tage durchfeiern und aus dem Kiez ein Lorett de Mare machen aber sich dann wundern, wenn es den Anwohnern irgendwann zuviel wird. So schaut es aus.
Letztes WE habe ich wieder eine Pillenleiche vor dem Berghain verarztet, damit der Depp nicht in der Sonne dehydriert. Hier rennen jede Nacht Horden von besoffenen Vollpfosten durch die Straße. Frisch vom Kiez torkeldn zum Hostel.
Was sind sie jung und toll und Berlin ist ja so hipp, endlich nicht mehr in Gütersloh und Mammi ist weit weg. Da lassen wir es doch mal richtig krachen.
Wenn ich das schon lese, das "partyviertel von 36". Wie wäre es denn mal damit, einfach ein wenig Rücksicht auf die Bewohner zu nehmen und dann klappt das auch. Es besteht nämlich keine Pflicht, jeden Platz in eine Partyzone zu verwandeln. Die Stadt bietet nun wirklich genug Möglichkeit, dass sich niemand in die Quere kommt.
Das alte Xberg-Agreement wird hier von anderer Seite gebrochen. Die Admiralsbrücke ist schon seit Ewigkeiten Treffpunkt. Aber zwischen ein paar Bierchen in der Sonne zischen und am frühen Abend weiter ziehen und dem mittlerweile praktizierten Scheiß besteht ein Unterschied.
Bald gibt es dann vermutlich After-Abi-Bustouren in das "partyviertel von 36". "Erlebe Xberg mit Alltours - Saufen, Pillen und Ficken garantiert."
Und da wundert ihr euch. Drolliger Artikel.
